Informationen zur Studie –
für Reha-Einrichtungen
Hintergrund
Zu den Folgen einer Brustkrebserkrankung gehören unter anderem:
- Fatigue
- Gewichtszunahme
- Schmerzen
- Ängste
- Hitzewallungen
- Schlafstörungen
- Depressivität
(1, 2)

Bedeutung von körperlicher Aktivität

Mehrere Studien haben bereits belegt, dass regelmäßige körperliche Aktivität einen positiven Einfluss auf die Symptome und Nebenwirkungen einer Brustkrebserkrankung und -therapie hat (3, 4).
Die S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms empfiehlt daher Betroffenen ca. 150 Minuten Bewegung mit moderater Intensität oder 75 Minuten anstrengende körperliche Aktivität pro Woche (5).
Aufgrund der positiven Wirkungen von körperlicher Aktivität nimmt die Bewegungstherapie in der Rehabilitation von Brustkrebs einen hohen Stellenwert ein (6). Damit die positiven Auswirkungen langfristig erhalten bleiben, ist es wichtig, dass diese Personen auch nach ihrer Rehabilitation regelmäßig und eigenständig aktiv bleiben.
Zielsetzung
Die Studie verfolgte das Ziel Rehabilitandinnen mit Brustkrebs mit Hilfe eines bewegungsfördernden digitalen Nachsorgeprogramms bei der regelmäßigen und eigenverantwortlichen Aufrechterhaltung körperlicher Aktivität zu unterstützen.
Methodik
Das Nachsorgeprogramm
Das Nachsorgeprogramm mit der Reha-Nachsorge-App (ReNaApp) setzt sich aus den folgenden Elementen des „Neuen Credo“ zusammen. Die theoretische Grundlage für die Intervention bildet das HAPA-Modell (Health Action Process Approach):
(7)

Studiendesign
Die Studie wurde in 5 onkologischen Reha-Einrichtungen in den Jahren 2019 bis 2024 durchgeführt.
Zunächst wurden alle ankommenden Rehabilitandinnen der Kontrollgruppe (KG, Standard-Reha und -Nachsorge) zugeordnet. Nach Abschluss der Rekrutierung der KG wurde das Reha-Team in den beteiligten Kliniken hinsichtlich des Nachsorgeprogramms geschult und es wurde ein*e Nachsorgebeauftragte*r bestimmt. Zusätzlich erhielten die Kliniken ein Manual zur Intervention und eine Kurzfassung davon. Anschließend erfolgte die Rekrutierung der Interventionsgruppe (IG).
Folgende Kliniken waren an der Studie beteiligt:
- AMEOS Reha Klinikum Ratzeburg
- KMG Klinik Silbermühle Plau am See
- Klinik Graal-Müritz
- Ostseeklinik Boltenhagen
- Asklepios Klinik Am Kurpark Bad Schwartau
Einschlusskriterien
Folgende Kriterien waren Voraussetzung für die Studienteilnahme:

Datenerhebung
Zu den folgenden drei Messzeitpunkten wurden die Rehabilitandinnen schriftlich befragt:
- Reha-Beginn
- Reha-Ende
- ein Jahr nach der Reha
Die Rehabilitandinnen wurden zu folgenden Themen befragt:
- Symptome
- Lebensqualität
- Umfang körperlicher Aktivität
- Teilhabeeinschränkungen
- Rückkehr an den Arbeitsplatz
Anschließend wurden die Daten statistisch analysiert und die Studienergebnisse aufbereitet.
Studienergebnisse
Für die statistischen Analysen lagen Daten von 493 Personen (IG: 199, KG: 294) vor.
51
Jahre
Ø
Alter der Personen
76%
erwerbstätig
94%
Ersterkrankung
70%
UICC-Stadium 1 oder 2
Studienergebnisse
Die IG und KG waren hinsichtlich soziodemographischer Merkmale und ihrer Ausgangsbelastungen miteinander vergleichbar.
Hinsichtlich der Lebensqualität, Teilhabeeinschränkungen und der Rückkehr zur Arbeit konnten keine wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden.
Allerdings zeigte die Untersuchung, dass die ReNaApp bei der langfristigen Umsetzung von körperlicher Aktivität unterstützen kann. Während die KG 12 Monate nach der Reha in einem ähnlichen Umfang körperlich aktiv war wie zu Reha-Beginn, steigerte sich das Aktivitätsniveau der IG statistisch signifikant.
Die Hälfte der IG-Teilnehmerinnen (N=95; 50%) nutzte laut Selbstangabe die Nachsorge-App in den 12 Monaten nach der Reha. Drei Viertel der Nutzerinnen bestätigten, dass die ReNaApp ihnen half, körperlich aktiv zu sein. 69% würden die Nachsorge mit der ReNaApp bei einem erneuten Reha-Aufenthalt wieder in Anspruch nehmen. Die Zufriedenheit mit der App-Gestaltung und der Funktionalität war unter App-Nutzerinnen hoch.
Exkurs
Darüber hinaus wurde eine qualitative Studie durchgeführt.
Weitere Details über die Studie
Originalarbeit:
Rutsch, M., Hoffmann, AC., Steimann, M. et al. Evaluation einer bewegungsfördernden digitalen Reha-Nachsorge in der onkologischen Rehabilitation von Brustkrebspatientinnen. Präv Gesundheitsf (2025). https://doi.org/10.1007/s11553-025-01224-5
Rutsch, M., Deck, R. Akzeptanz, Machbarkeit und Optimierungspotenziale eines Reha‑Nachsorgeprogramms zur Bewegungsförderung in der onkologischen Rehabilitation – Eine multiperspektivische, qualitative Befragung. Rehabilitation (Stuttg) (2025). https://doi.org/10.1055/a-2705-0135
Literaturnachweis
(1) So WKW, Law BMH, Ng MSN, He X, Chan DNS, Chan CWH, et al. Symptom clusters experienced by breast cancer patients at various treatment stages: A systematic review. Cancer Medicine. 2021;10(8):2531-65.
(2) Davis LE, Bubis LD, Mahar AL, Li Q, Sussman J, Moody L, et al. Patient-reported symptoms after breast cancer diagnosis and treatment: A retrospective cohort study. European Journal of Cancer. 2018;101:1-11.
(3) Fortner RT, Brantley KD, Tworoger SS, Tamimi RM, Rosner B, Farvid MS, et al. Physical activity and breast cancer survival: results from the Nurses‘ Health Studies. JNCI cancer spectrum. 2023;7(1).
(4) Baumann FT, Jäger E, Bloch W. Sport und körperliche Aktivität in der Onkologie: Springer-Verlag; 2012.
(5) Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. 2021.
(6) Mishra SI, Scherer RW, Geigle PM, Berlanstein DR, Topaloglu O, Gotay CC, et al. Exercise interventions on health‐related quality of life for cancer survivors. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2012(8).
